Kleinkind

VERGIFTUNGEN BEI KLEINKINDERN IN HAUSHALT UND GARTEN

Liebe Mutter, lieber Vater

Denken Sie daran: Kleinkinder sind durch Vergiftungen besonders gefährdet!!!!

Man kann gerade laufen, die Welt entdecken, jetzt wird die neue Bewegungsfreiheit ausgenutzt und

alles muss mit dem Mund probiert werden. Selbst schlechter Geruch und Geschmack sind kein

Hindernis, so kommt es zur Einnahme von Schadstoffen und diese gelangen in den Verdauungstrakt.

Ihr Haushalt kann eine große Gefahrenquelle sein [90% aller Vergiftungsfälle]:

  • Reinigungsmittel, Fleckentferner, Möbelpolitur, Nagellackentferner, Parfüms, Haar- und Rasierwasser sind oft greifbar in Küche, Bad, Toilette und anderswo untergebracht.
  • Alkoholreste und Zigarettenkippen können tödlich sein. Sehr kleine Mengen von Tabak und Zigaretten bedrohen ein Kleinkind. 2 – 3 gekaute Zigaretten [ à 20 mg Nikotin] im Blutkreislauf könnenn Ihr Kleinkind tödlich verletzen. Ein einziger Tabakstummel kann Erbrechen, Blässe, Herzjagen, Schwitzen, Apathie oder Unruhe hervorrufen.
  • Lassen Sie Ihrem Kind keine Chance an Abfluss- und Backofenreiniger zu gelangen, es drohen schlimme Verätzungen.
  • Minibatterien [Knopfzellen] sollten verschlossen aufbewahrt werden. Verwechslung mit Bonbons oder Ähnlichem! Wenn sie in der Speiseröhre stecken bleiben, kann das kleine Kind Druckschäden oder Verätzungen erleiden.
  • Medikamente: Bei Mama und Papa, auch bei Oma und Opa können bunte Dragees oder Kapseln zum Naschen einladen und unvorhergesehenen Schaden verursachen. Medikamente nie in Kinderhand, das gilt ebenso für alle anderen Gefahrstoffe.
  • Eine große Gefahr geht von Körperpflegemitteln aus. Diese enthalten Schaumstoffe wie in Seifen, Shampoons, Badezusätzen und reizen die Schleimhäute. Gelangt Schaum in die Atemwege, erfolgt Hustenreiz und kann auch eine Lungenentzündung auslösen. Gefährlich: Kosmetikartikel für Kinder werden mit einem angenehmen Geruch versehen z.B. nach Cola oder Kaugummi oder haben zumindest keinen abstoßenden Geschmack. Werden diese in großen Mengen eingenommen, erfolgen Bauchschmerzen und Erbrechen.

Wie verhalten Sie sich Bei Verdacht auf Vergiftung

Wer hat was und wie viel eingenommen:

  • Uhrzeit, Alter und Gewicht des Kindes

Zeigt das Kind Anzeichen einer Vergiftung:

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, plötzliche Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Bewusstseinstrübung, Krämpfe, Atem- und Herzstillstand

Im Notfall:

  • Leere Flaschen und Schachteln aufbewahren. Die Beschriftung ist für den Giftnotruf wichtig Erbrochenes oder Rest der Substanz aufbewahren. Halten Sie ein verschraubbares Marmeladenglas oder ähnliches und Einmalhandschuhe bereit.

Erste Hilfe zu Hause:

  • Ein Kind kann nach der Einnahme reichlich Wasser, Tee oder verdünnten Saft trinken
  • Verboten ist Milch
  • Verabreichung von medizinischer Kohle [keine Verabreichung von medizinischer Kohle bei Vergiftung durch:
  • Zyankali oder Ähnlichem
  • Eisen-Verbindungen
  • Lithium-Verbindungen
  • Methylalkohol
  • Äthylalkohol [Weingeist, Spiritus]

Anwendung:

  • Nur Kohletabletten – oder Kohlegranulat verwenden
  • 0,5 bis 1 g pro 1kg Körpergewicht, d.h. 30 – 120 Kohletabletten [250 mg] in Wasser oder Saft aufgeschwemmt einnehmen Kohle und Abführmittel:
  • Bevor die Kohle das Gift im Körper wieder abgibt kann man mit Abführmittel nachhelfen.
  • Erst die Kohle; anschließend das Abführmittel [Glaubersalz, Bittersalz: 0,25 g pro kg Körpergewicht, Lactulose.]

Entschäumen bei Spülmittelvergiftungen:

  • NIEMALS Brechvorgang hervorrufen!! [Ein Laie kann sehr viel Schaden anrichten. Das Erbrochene gelangt aus der Speiseröhre in die Atemröhre oder die erbrochenen Gifte verätzen nochmals Mund und Rachenraum. Nur im Krankenhaus sollte dieser Vorgang durchgeführt werden.]

Hautkontakt:

  • Schädliche und giftige Stoffe müssen von der Haut mit Wasser abgespült werden.
  • Ein Hemd oder einen Pullover nicht über den Kopf ziehen, sondern zerschneiden.

Prophylaxe

  • Putzmittel, Medikamente, Zigaretten, Farben, Öl, Benzin, Nagellack, Nagellackentferner u. v.m
  1. abgeschlossen aufbewahren
  2. Vorsicht auch bei kindergesichertem Verschluss.
  • Unterschränke sind zu verschließen und die Schlüssel abzuziehen
  • Aschenbecher immer entleeren
  • Alkoholreste wegschütten

Giftige Pflanzen in Haus und Garten

  • Primel [Becherprimel]
  • Dieffenbachie
  • Korallenbäumchen
  • Weihnachtssterne
  • Amaryllis
  • Goldregen
  • Eisenhut
  • Digitalis [Glockenblume]
  • Eibe
  • Rizinus
  • Maiglöckchen
  • U.v.m.

Weitere Gefahrenquellen

  • Pflanzenpflege- und Schutzmittel
  • Schädlingsbekämpfungsmittel
  • Mäuse- und Rattenvernichtungsmittel
  • Ameisenvernichtungsmittel
  • gefärbte Lampenöle
  • flüssige Grillanzünder
  • Petroleum und Verwandte [geringste Mengen können schwere Lungenkomplikationen verurachen!]