Unser Baby ist ein Frühchen
Die Anzahl der zu früh geborenen Kinder ist in Deutschland in den letzten 30 Jahren um 50 Prozent gestiegen. Jedes
fünfzehnte Baby wird heute in der 37. Schwangerschaftswoche oder früher geboren. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Auch die Zahl der extremen Frühchen steigt. Ein Prozent aller Babys kommen zwischen der 24. und 32. Schwangerschaftswoche zur Welt und haben ein Gewicht von unter 1.500 Gramm. Wird ein Baby zu früh geboren, stellt das für die Eltern meist eine starke seelische Belastung dar. Zum einen sind die ersten Wochen nach der Geburt meist von der Angst vor
Komplikationen geprägt.
Zum anderen ist es für die Eltern nicht leicht, mit dem Frühchen umzugehen. Zu früh geborene Kinder verhalten sich anders als reif geborene. Sie zeigen nicht die für Babys typischen Reaktionen. Ihre Sinnesorgane kommen mit den Reizen der Umwelt noch nicht gut zurecht. Die Eltern brauchen vom Klinikpersonal viel Beistand und Hilfe. Sie müssen lernen, wie sie Kontakt zu ihrem Baby aufbauen, ohne es zu überfordern.
Mögliche Gründe für eine Frühgeburt
- bei Komplikationen oder einem Unfall der Mutter wird das Kind per Kaiserschnitt geholt
- ist die Mutter älter als 35 Jahre, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt
- durch die wachsende Zahl künstlicher Befruchtungen steigt die Zahl der Mehrlingsgeburten; Mehrlinge kommen häufig früher zur Welt
- Umwelteinflüsse und Stress können zu einer Verkürzung der Schwangerschaft führen
- Rauchen während der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Frühgeburt
Zu früh geborene Kinder brauchen eine spezielle medizinische Versorgung, damit sie überleben können. Oft müssen sie für eine gewisse Zeit in den Brutkasten, auch Inkubator genannt. Man legt heute viel Wert darauf, dass Frühchen, auch wenn sie noch so klein und empfindlich sind, von vornherein einen engen Kontakt zu den Eltern haben. Ganz wichtig sind Berührungen. Die Betreuungsweise, bei der die im Brutkasten liegenden Frühchen täglich in engen Körperkontakt mit den Eltern gebracht wird, bezeichnet man auch als Känguru-Methode.
Die Eltern sollten auch so früh wie möglich die Pflegemaßnahmen wie Füttern, Wickeln, Waschen und Temperaturmessen selbst übernehmen. So wird der Kontakt zu dem Baby gefestigt. Der Krankenhausaufenthalt wird meist mit einer so genannten Rooming-in-Phase beendet, das heißt, das Baby wird mit der Mutter zusammen in einem Zimmer untergebracht.
Hat sich die Gesundheit des Frühchens genügend stabilisiert, können die Eltern es mit nach Hause nehmen. Die Hoffnung, dass von nun an alles normal abläuft, wird aber häufig enttäuscht. Frühchen brauchen auch oft nach dem Klinikaufenthalt eine intensivere Betreuung und Pflege als Babys, die im normalen Zeitplan zur Welt gekommen sind. Vielfach leiden sie unter Schlafstörungen oder haben Probleme mit der Nahrungsaufnahme. In jedem Fall brauchen Sie weiterhin eine intensivere ärztliche Betreuung als andere Babys.
Da Frühgeborene ein erhöhtes Risiko für den Plötzlichen Kindstod (Sudden Death Infant Syndrome = SIDS), besitzen, sollten Sie mit dem Arzt darüber sprechen, wie mit diesem erhöhten Risiko umzugehen
ist. Ein Überwachungssystem kann dafür sorgen, dass beim Aussetzen des Atems in der Nacht ein Alarm ausgelöst wird.
Schenken Sie Ihrem frühgeborenen Baby sehr viel Zuwendung, damit es die traumatischen Erfahrungen der ersten
Lebenswochen schnell überwinden kann. Nutzen Sie darüber auch die Möglichkeit, sich mit anderen
betroffenen Eltern in Verbindung zu setzen. Gesprächskreise dienen nicht nur dem Austausch von Erfahrungen und Ratschlägen, sie können auch eine wertvolle psychologische Stütze für Sie als Eltern sein. Nützliche
Internet-Adressen dazu finden Sie im Anhang.
Risiko für den Plötzlichen Kindstod
(Sudden Death Infant Syndrome
= SIDS), besitzen, sollten
Sie mit dem Arzt darüber sprechen,
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